Mindener Tageblatt | 18. Jan 2005

Gelungene Einstimmung für
Wagner-Fans in Text und Musik

Hans-Jürgen Schatz und Holger Groschopp eröffnen das Mindener Tannhäuser-Jahr / Aufführung für Oktober geplant

Von Udo Stephan Köhne

Minden (usk). Noch sind neun Monate Zeit, bis das nächste Kind des Mindener Richard Wagner Verbandes geboren wird.

„Tannhäuser" am 21. Oktober 2005 steht jetzt im Zentrum der Anstrengungen. Vorsichtig nährt der Mindener Verband als Produzent der Wagner-Oper die Begeisterung. Zum Auftakt des „Tannhäuser-Jahres" stand jetzt eine „musikalisch-literari­sche Bergtour" in der Villa Winckler auf dem Programm. Hier, wo die Salonatmosphä­re des 19. Jahrhunderts ein we­nig empfunden werden kann, hatten sich der Schauspieler Hans-Jürgen- Schatz und der Pianist Holger Groschopp auf­gemacht, das Tannhäuser-The­ma mittels Musik und Literatur zu erkunden. Vor überschaubarem, aber hochgespanntem Publikumskreis und in beinahe familiärer Runde gingen Schatz und Groschopp das Thema kenntnisreich an.


Holger Groschopp und Hans-Jürgen Schatz (re.) führten in Minden in die Thematik des „Tannhäusers" ein.

Foto: Köhne

Hans-Jürgen Schatz las aus Quellen, die Richard Wagner als Ideenvorlage benutzt hat. Er machte mit dem Briefwechsel zwischen Liszt und Wagner an­lässlich der Weimarer Tannhäu­ser-Premiere 1849 bekannt und ließ Charles Baudelaire zu Wort kommen, der sich wortreich über den Pariser Tannhäuser-Skandal ausgelassen hat. Hol­ger Groschopp steuerte eine un­bekannte Salon-Etüde von Jo­seph Joachim Raff bei, die das Sextett vom Ende des ersten Aktes pianistisch ausschlachtet. Zwei Paraphrasen aus der Fe­der Franz Liszts schlössen sich an, am Ende wagte der Pianist sich noch an eine wahnwitzige und halsbrecherisch schwierige Paraphrase von Moritz Moszkowski die den durchaus erfolgreichen Versuch unter­nimmt, die „Venusbergmusik" auf die zehn Finger der menschlichen Hand zu übertragen.

Auch wenn bis auf das Kla­vierwerk von Moszkowski keine wirklich überraschend neu­en Stücke und Textpassagen zum Thema Tannhäuser zu hö­ren waren, war die Soiree mit den beiden Berliner Künstlern keine verlorene Zeit. Mehr als nur überzeugend nämlich die musikalische Wiedergabe der vier klavieristischen Herausfor­derungen durch Holger Gro­schopp. Durch viel pianisti­sches Girlandenwerk musste sich der Mann am Flügel spie­len, doch nicht nur dies. Gerade die beiden Paraphrasen von Franz Liszt („Pilgerchor" und „Lied an den Abendstern") machten deutlich, dass einer der wichtigsten Förderer Ri­chard Wagners neben immens hohen manuellen Herausforde­rungen auch an die Gestal­tungskraft des Pianisten höchs­te Anforderungen stellt.

Einnehmend auch die Rezita­tion von Hans-Jürgen Schatz. Gerade im zweiten Teil des Abends, in Charles Baudelaires für eine Lesung fast zu langem Bericht über Tannhäuser an der Pariser Oper und in Heinrich Heines ironischem „Tannhäu­serlied" aus den „Elementar­geistern" von 1837.

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